12.10.2026 von 12.10.2026
Ein spanendes Volunteering in Oboadaka, Ghana
Ehemaliger Freiwilligendienstleistender Kevin Künzig berichtet über seine Erfahrungen.
Im Rahmen eines Praktikums verbrachte ich zwei Wochen in dem kleinen Ort Oboadaka in Ghana. Diese Zeit war für mich eine prägende Erfahrung, die mich sowohl sportlich als auch persönlich nachhaltig bereichert hat.
Täglich leitete ich Fußballtraining für verschiedene Altersklassen – U10, U15 und U17. Die örtlichen Gegebenheiten stellten dabei eine besondere Herausforderung dar: Zur Verfügung standen lediglich vier Fußbälle sowie einige veraltete Hütchen und Leibchen. Unter diesen Bedingungen ein qualitativ hochwertiges Training zu gestalten, erforderte viel Kreativität und Improvisation. Erschwerend kam hinzu, dass die Spielerinnen und Spieler – wie in Ghana üblich – nicht immer pünktlich erschienen. Weder die genaue Teilnehmerzahl noch der genaue Zeitpunkt ihres Eintreffens ließen sich im Voraus planen.
Trotz dieser Herausforderungen entwickelte sich das Training zu einer außerordentlich positiven Erfahrung. Ich konnte vieles ausprobieren, dazulernen und vor allem lernen, flexibel auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Besonders berührend war die Freude und Wertschätzung der Kinder und Jugendlichen über das Training. Sie nahmen das Angebot eines für sie etwas anders strukturierten Trainings durch einen deutschen Trainer mit großer Begeisterung auf und die Teilnehmeranzahl stieg von Tag zu Tag. Die Spieler zeigten sich wissbegierig, gehorsam und äußerst dankbar – eine Haltung, die besonders beeindruckend war, wenn man bedenkt, dass sie weder über Tornetze, einen ebenen Rasen mit kurzem Gras noch über optimale Fußballschuhe verfügten.
Diese Erfahrung hat mir einmal mehr bewusst gemacht, wie gut es uns in Deutschland bezüglich der Struktur im Fußball und im Sport allgemein geht. Wir verfügen über gut organisierte Vereine, eine funktionierende Jugendarbeit, geregelte Trainingszeiten, ausreichendes Material und stabile Rahmenbedingungen – alles Aspekte, die für uns selbstverständlich geworden sind, aber keineswegs überall auf der Welt gegeben sind. Genau hier setzt auch die Arbeit der Sportjugend an: die Wertschätzung für diese Strukturen zu fördern und jungen Menschen die Bedeutung von organisiertem Sport und Gemeinschaft nahezubringen.
Doch nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch außerhalb des Fußballs war diese Zeit eine bereichernde Erfahrung. Die Kultur Ghanas unterschied sich in vielen Aspekten deutlich von der uns vertrauten deutschen Lebensweise. Obwohl ich aufgrund meiner Hautfarbe auffiel, wurde ich von den Menschen vor Ort äußerst offen und hilfsbereit aufgenommen. Mehrfach wurde ich zum Abendessen eingeladen – eine Geste der Gastfreundschaft, die umso mehr Gewicht hatte, als die Familien selbst nicht über viel verfügten.
Die Lebensfreude und positive Einstellung der Menschen in Oboadaka, trotz teilweise schwieriger Lebensumstände, hat mich tief beeindruckt. In Deutschland könnten wir uns viel von dieser Haltung abschauen. Nicht alles sollte als selbstverständlich betrachtet werden.
Zusammenfassend kann ich sagen: Diese zwei Wochen in Oboadaka waren eine außerordentlich wertvolle Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann, selbst einmal zu machen.